Wenn die Seele Fieber hat

In den stillen Morgenstunden wünsche ich mir manchmal sichtbares Leiden wie Fieber, denn Menschen verstehen unsichtbare seelische Schmerzen oft nicht. Unsichtbare Krankheiten, wie Depressionen, sind einsam, aber unser innerer Kampf macht uns stärker und sollte von der Gesellschaft besser verstanden und akzeptiert werden.

  9. Sep 2023
 3 Min 9 Sek   0    106
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Wenn die Seele Fieber hat
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Manchmal, in den stillen Morgenstunden, wünsche ich mir, ich hätte Fieber. Warum? Weil ich mir erhoffe, dass die Menschen dann erkennen könnten, wie es mir wirklich geht. Wenn mein Körper die Anzeichen einer körperlichen Krankheit zeigt, dann würden sie sagen: "Du Armer, leg dich ins Bett, du musst dich auskurieren." Sie würden mir Zuspruch geben und verstehen, dass es mir schlecht geht. "Du hast hohe Temperatur, kein Wunder, dass es dir nicht gut geht", würden sie sagen. Doch hier liegt der Haken - ich habe kein Fieber.

Stattdessen finde ich mich morgens im Bett wieder, der Wecker hat geklingelt, und ich fühle mich schwach, ausgelaugt und wie ein leerer Hülle. Die Energie scheint aus mir gewichen zu sein, und ich kann nichts dagegen tun. Es ist, als ob meine Seele in einer trüben Wolke gefangen ist. Die Antriebslosigkeit hat mich fest im Griff, und die Traurigkeit nagt an mir.

Versteht mich nicht falsch; ich bin nicht traurig über das Leben an sich. Ich bin traurig, weil es mir schon wieder so geht. Ich kann es nicht erklären. Es ist nicht so einfach wie ein Temperaturanstieg, den ich als Entschuldigung nutzen könnte, um im Bett zu bleiben. Nein, ich habe kein Fieber.

Was ich nicht sagen kann, was so schwer auszusprechen ist, ist: "Ich habe Depressionen. Ich kann heute nicht." Wenn ich das sagen könnte, dann würde es mir vielleicht besser gehen. Doch ich schweige und kämpfe gegen die Dunkelheit in meinem Inneren an.

Wieder liege ich morgens im Bett und fühle mich schwach. Aber meine Schwäche rührt nicht nur von meinen inneren Kämpfen her, sondern auch von der Tatsache, dass ich mir nicht erlauben kann, schwach zu sein. Es ist noch immer verpönt, in unserer Gesellschaft eine psychische Krankheit zu haben. Wenn man es wagt, darüber zu sprechen, hört man oft: "Ich habe auch manchmal schlechte Tage, da muss man halt durch!" oder "Ich bin heute auch sehr müde!" oder "Traurig sein ist doch keine Krankheit!" Doch es ist so viel mehr als das.

Manchmal, in meinen dunkelsten Momenten, wünsche ich mir, ich hätte Fieber. Und manchmal, ja, ganz manchmal nur, wünsche ich mir sogar etwas Schlimmeres. Nicht, dass ich wirklich eine schlimme Krankheit haben möchte, aber vielleicht eine, die die Menschen sehen können. Eine, die sie verstehen und akzeptieren würden. Aber diese Sehnsucht nach sichtbarem Leiden verschwindet schnell, wenn ich daran denke, wie es wäre, mit einer unsichtbaren Krankheit umzugehen.

Denn tief in mir bin ich auch dankbar, dass niemand sieht, was in meinem Inneren vor sich geht. Ich trage meine Krankheit alleine. Niemand starrt mich an, bemitleidet mich oder kommt mit guten Ratschlägen um die Ecke, wie sie es bei Fieber tun würden. Ich habe eine chronische Krankheit, eine unsichtbare Last, die kommt und geht, mal schlimmer, mal weniger schlimm, mal tagelang präsent, mal tagelang abwesend. Aber sie ist immer gegenwärtig, ein Teil von mir, den ich an die Hand nehmen und mit dem ich zusammenleben muss. Alleine.

Die Fassade, die ich aufrechterhalte, ist mühsam, aber notwendig. Ich sage:
"Mir geht es gut. Ich bin nur müde."
"Ich habe nur schlecht geschlafen."
"Ich habe viel Stress zur Zeit."
Das sind Standardsätze, die zwar wahr sind, aber niemals die ganze Wahrheit erzählen. Sie sind die Wahrheit für andere, nicht für mich.

Denn wenn ich sage, dass ich müde bin, dann meine ich, dass mir die Lebensenergie fehlt, dass meine Seele erschöpft ist. Wenn ich sage, dass ich schlecht geschlafen habe, dann bedeutet das, dass meine Gedanken mich die ganze Nacht wachgehalten haben, und die Dunkelheit der Nacht mich erdrückt hat. Und wenn ich sage, dass ich viel Stress habe, dann ist es ein Stress, den ich mir selbst mache, ein Stress, der durch Selbstzweifel, Ängste und negative Gedanken genährt wird.

Aber ich komme damit klar. Ich kämpfe alleine gegen meine Dämonen an. Ich heile mein eigenes Fieber, das niemand sieht, niemand versteht und niemand akzeptiert. Doch ich bin stark, auch wenn ich es nicht immer zeigen kann. Und ich hoffe, dass eines Tages die Gesellschaft beginnt zu verstehen, dass unsichtbare Krankheiten genauso real sind wie Fieber, und dass wir alle Unterstützung und Akzeptanz verdienen, egal wie unsere Kämpfe aussehen.


Bis zum nächsten Beitrag,
Ronny

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Stöckchen Als jemand, der 1979 geboren wurde und seit 2004 die Welt der Programmierung entdeckt hat, fasziniert es mich immer wieder, wie man mit Code die Welt verändern kann. Angefangen mit HTML, habe ich mich später auch in PHP vertieft. Nebenbei Doc als Mediengestalter habe ich immer das Ziel gehabt, die Welt zu verbessern, auch wenn mir manchmal der nötige Quellcode fehlt. In meinen Träumen stelle ich mir vor, als Superheld neben Batman mein Geld zu verdienen oder zumindest den ersten Fluxkompensator der Welt zu testen.