Depression

Das, was die meisten als "Depression" kennen, heißt eigentlich Major Depression oder depressive Episode. Im ICD-10 (also dem Klassifikationswerk für Krankheiten der WHO) steht diese psychische Erkrankung bei den sogenannten affektiven Störungen. Selbst ist die depressive Episode unterteilt in leicht, mittelgradig und schwer, mit oder ohne psychotische Symptome. Wie schwer die depressive Episode ist, ist abhängig davon, welche Symptome vorhanden und wie deutlich diese ausgeprägt sind.

Die Depression tritt in Episoden auf. Das bedeutet einfach, dass sie nicht immer gleich stark ist. Sie verläuft in Wellenlinien. Es kann auch Wochen, Monate oder sogar Jahre geben, in denen der/die Betroffene nichts von der Erkrankung spürt - um dann vollkommen von ihr überrannt zu werden. Eine unbehandelte depressive Episode dauert im Schnitt zwischen sechs und acht Monate.

Depressive Episoden zeigen sich vor allem durch einen verminderten Antrieb und eine verminderte Aktivität. Gefühle von Freude, Interesse oder Konzentration sind dann wenig ausgeprägt. Der/die Betroffene fühlt sich schnell erschöpft, dauernd müde, häufig kommt es zu Schlafstörungen oder Appetitmangel. Aber auch ein übersteigerter Appetit oder eine Rastlosigkeit mit anschließender totaler Erschöpfung können auftreten. Außerdem kommen Gefühle von Wertlosigkeit, Schuld oder Scham vor. Kleinste Anstrengungen werden zu riesigen Kraftakten, die kaum geschafft werden können. Haare waschen, Geschirr spülen, zur Arbeit gehen - all das ist in einer depressiven Episode kaum denkbar. Auch Suizidgedanken oder -versuche können auftreten. Depressionen sind also eine tödliche Erkrankung.

Die meisten Menschen, die durch einen Suizid versterben, litten vorher unter einer psychiatrischen Erkrankung (über 90 Prozent). Gerade die Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, die mit depressiven Episoden häufig einhergehen, können zu Suizidgedanken führen. Spätestens jetzt ist es absolut notwendig, sich Hilfe zu suchen. Es gibt Personen und Organisationen (wie U25 Deutschland), die sich darauf spezialisiert haben, dir bei solchen Problemen zuzuhören und zu helfen. Sie sind froh, wenn du dich meldest.

Natürlich ist eine Depression behandelbar und sie sollte auch unbedingt behandelt werden. Die Therapie richtet sich danach, wie stark die depressiven Episoden in der Vergangenheit und Gegenwart waren. Bei leichten depressiven Episoden kann gemeinsam mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin geschaut werden, wie der/die Patient/in sich selbst aus einer gedrückten Stimmung befreien kann (z. B. mit Sport, einem Arbeitsplatzwechsel oder regelmäßigen Erholungszeiten). Bei mittelgradigen depressiven Episoden kann der/die Betroffene oft wählen, ob er/sie mit einer Psychotherapie alleine oder mit einer Psychotherapie plus Antidepressiva behandelt werden möchte. Bei einer schweren Depression ist meistens eine Kombination aus Psychotherapie und der Gabe eines Antidepressivums sinnvoll.

Am besten ist es, wenn man sich bei dem Verdacht auf Depressionen an den Hausarzt oder die Hausärztin wendet. Hier kann nämlich auch gleich geschaut werden, ob möglicherweise organische Ursachen vorliegen (wie eine Schilddrüsenunterfunktion). Außerdem kann zusammen besprochen werden, ob eine Psychotherapie oder ein Gespräch mit einem Psychiater oder einer Psychiaterin sinnvoll wäre. Durch die Behandlung einer Depression können die depressiven Episoden deutlich verkürzt werden - von 6 Monaten auf durchschnittlich 16 Wochen. Zudem sind die Episoden nach einer Psychotherapie meistens nicht mehr so stark wie zuvor. Aus einem tiefen Tal wird eine kleine Bodenkuhle. Zusätzlich kann eine Behandlung das Rückfallrisiko deutlich senken.

Man kann übrigens das perfekte Leben haben und trotzdem unter einer Depression leiden. Sie ist in allen sozialen Schichten und den besten Familien zu finden. Eine Depression ist keine Charakterschwäche oder das Zeichen von Faulheit oder Desorganisation, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die gut behandelt werden kann.